100 Euro müssen bei den Familien bleiben!
Die Bunte Liste Lindau spricht sich dafür aus, den bisherigen Kita-Zuschuss von 100 Euro monatlich bis Ende des Betreuungsjahres August 2027 vollständig an die Familien weiterzugeben und bis dahin eine tragfähige Lösung zu entwickeln, die sowohl die Familien entlastet als auch die finanzielle Situation der Stadt berücksichtigt. Der Vorschlag der Verwaltung, künftig nur noch 50 Euro anzurechnen, wurde im Stadtrat mit 13 zu 14 Stimmen abgelehnt.
30. Oktober 2026
Die Bunte Liste sieht sowohl das jährliche Defizit der städtischen Kindertageseinrichtungen von über 400.000 Euro als auch die zunehmende finanzielle Belastung vieler Familien. Doch solange die tatsächlichen finanziellen Auswirkungen der Reform unklar sind, darf die Entlastung der Eltern nicht vorschnell halbiert werden.
Die Verantwortung für diese Situation liegt beim Freistaat Bayern. Mit der Reform wird der bisherige, direkt bei den Eltern ankommende Zuschuss von 100 Euro in die allgemeine Betriebskostenförderung integriert. Die unmittelbare Entlastung der Familien entfällt. Stattdessen müssen die Kommunen entscheiden, ob sie die Mittel zur Entlastung der Eltern einsetzen oder die Defizite ihrer Kitas damit reduzieren.
„Der Freistaat nennt es kommunale Entscheidungsfreiheit. Aber wenn Kommunen zwischen einem ohnehin angespannten Haushalt und der Entlastung von Familien wählen müssen, ist das keine echte Wahlfreiheit – es ist die Verlagerung eines politischen Problems auf die kommunale Ebene“, so Laura Brombeis. „Wir müssen verantwortungsvoll mit unserem Haushalt umgehen. Aber wir dürfen dabei nicht an der Zukunft unserer Kinder sparen.“
Höhere Elternbeiträge können zudem einen finanziellen Teufelskreis auslösen: Wenn Betreuung teurer wird, könnten Familien ihre Buchungszeiten reduzieren – insbesondere am Nachmittag. Sinkende Buchungszahlen können die Auslastung der Einrichtungen verschlechtern und zusätzlichen finanziellen Druck erzeugen. Diesen Risiken sollte die Stadt nicht durch vorschnelle Kürzungen Vorschub leisten.
Denn Kindertageseinrichtungen sind mehr als Betreuungsangebote. Sie sind Bildungsorte, an denen Kinder Sprache, soziale Kompetenzen entwickeln und Gemeinschaft erleben. Integration, Inklusion und gleiche Bildungschancen werden hier gelebt. Nicht der Geldbeutel der Eltern darf darüber entscheiden, welche Entwicklungs- und Bildungschancen ihre Kinder erhalten.
„Aktuell kann niemand besser über die Verwendung der 100 Euro entscheiden als die Familien selbst – und sie können diese Entlastung dringend gebrauchen. Wenn wir den Zuschuss zunächst vollständig weitergeben, bleibt für die Eltern vorerst alles beim Alten. Wir gewinnen Zeit, um die tatsächlichen finanziellen Folgen der Reform zu verstehen und anschließend auf Grundlage belastbarer Zahlen neu zu entscheiden“, betont Ronja Bandte-Gebhard.
"Wichtig ist, dass die korrekte Adresse für den berechtigten Unmut von uns Eltern und Familien aber nicht die Stadt ist, sondern der Freistaat. Seid bitte laut und beschwert euch, auch wenn ihr nach langen Tagen müde und erschöpft seid" fordert Ronja Bandte-Gebhard die Eltern auf.
Die Bunte Liste plant ein Elternforum zur Information, Organisation und gemeinsamen Strategieberatung um weitere Schritte zu konkretisieren.