Bunter Standpunkt zum Beschluss Enzisweilerstraße
Ein guter Kompromiss – und ein paar Gedanken zum Prozess von Planung bis Stadtratsbeschluss.
25. Juli 2026
Felix Kling
Ein guter Kompromiss – und ein paar Gedanken dazu
Mit dem Beschluss zur Enzisweilerstraße wurde ein guter Kompromiss gefunden. Die ursprünglich geplante Straßenverbreiterung wird nicht umgesetzt, es werden zukunftsfähige Baumquartiere mit Klimabäumen geschaffen und Klimaanpassungsmaßnahmen werden fester Bestandteil der Planung. Das ist ein Erfolg der Bürgerschaft.
Denn der erste Entwurf war aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Es war richtig, dass die Anwohnerinnen und Anwohner ihre Kritik geäußert haben. Verwaltung und Stadtrat haben zugehört und die Planung grundlegend überarbeitet. So sollte Bürgerbeteiligung funktionieren.
Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Die Bunte Liste hat sich an vier Sonntagssitzungen intensiv Zeit genommen, um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Diese Gespräche waren offen, respektvoll und konstruktiv – auch dort, wo wir unterschiedliche Auffassungen hatten. Umso bedauerlicher war es, dass von anderen einzelne E-Mails an alle Stadtratsmitglieder verschickt wurden, in denen uns unter anderem vorgeworfen wurde, wir würden bewusst Kinder gefährden. Solche Unterstellungen helfen niemandem und werden den vielen Menschen nicht gerecht, die ihre Anliegen sachlich vorgetragen haben.
Auch am Rande der Stadtratssitzung war, trotz des zuvor vorgestellten Kompromisses, eine aufgeheizte, von Misstrauen geprägte Stimmung spürbar. Immer wieder entstand der Eindruck, als wolle die Stadt gezielt zusätzlichen Verkehr oder Schwerlastverkehr durch die Enzisweilerstraße Richtung Wasserburg und Wohnmobilstellplatz und Reitanlage lenken-obwohl der Beschluss das Gegenteil verfolgt: verkehrsberuhigt, voller Bäume, mit hoher Aufenthaltsqualität.
Der Stadtrat hat außerdem mehrfach bekräftigt, alles zu tun, was möglich ist, damit der Verkehr Richtung Wasserburg nicht über die Fahrradstraße in Schachen läuft.
Dabei müssen wir uns aber auch ehrlich machen: überall wollen die Menschen ihren Paketdienst, ihre Müllabfuhr, ihren Möbelwagen – die auf dem Weg dorthin durch andere Straßen fahren, in denen auch Menschen wohnen. Verkehr verschwindet nicht, er verlagert sich nur.
Wenn wir wirklich weniger Verkehr wollen, müssen wir uns alle an die eigene Nase fassen: öfter zu Fuß, Rad oder Bus – und wenn Auto, dann klein und elektrisch statt SUV.
Der Beschluss zeigt, dass Kompromisse möglich sind. Das ist eine gute Nachricht – nicht nur für die Enzisweilerstraße, sondern für die Kommunalpolitik insgesamt. Denn am Ende kommen wir nur weiter, wenn wir unterschiedliche Interessen ernst nehmen und trotzdem respektvoll miteinander umgehen.