Bunte Ansichten zum Wettbewerbsergebnis „Hintere Insel“ v. Uli Kaiser

Als Mitglied der Jury (stellv. von Max Strauß) möchte ich feststellen, dass der beste Entwurf den Wettbewerb gewonnen hat.
Die Pläne für die Gartenschau scheinen gut im Rahmen des kleinen städtischen Budget umsetzbar. Es gibt keine teuren Veränderung der Uferlinie. Das Büro hat den Gleisdreieckpark im Berlin realisiert. Den halte ich für sehr gelungen. Hier haben wir sicher gute Planer ausgewählt, die Erfahrung mit der Umnutzung von Bahnflächen haben.
Dies ist umso wichtiger, als Zweck der Wettbewerbs ist, den Auftrag für die Planung zur Kleinen Gartenschau zu vergeben.
Beim Städtebau war im Vorfeld, auch bei der Bürgerbeteiligung, der Wunsch nach einem großzügigen, aber einfachen Bürgerpark deutlich vernehmbar. Diesem Ergebnis der, erfreulich breit angelegten, Bürgerbeteiligung trug die Jury Rechnung. Alle drei erstplatzierten Entwürfe rücken mit der Bebauung hinter den Kopfbau der Luitpold-Kaserne zurück.
Der Siegerentwurf hat die Aufforderung, “ die Altstadt weiterzubauen“, am besten umgesetzt. Dies lässt sich mit einem Blick auf den Stadtplan gut überprüfen. Viel mehr darf aus dieser Strukturplanung nicht herausgelesen werden. Alle Aussagen über „Blöcke“ und Hausformen sind Spekulation.
Entscheidend für den städtischen Anteil der Hinteren Insel sind zwei Grundlagen:
Die Stadt baut hier mit der GWG oder der GKWG ausschließlich Mietwohnungen. Eine soziale Durchmischung kann über verschiedene Mietpreiskatergorien gewährleistet werden. Damit werden diese wertvollen Wohnflächen der Spekulation und dem drohnenden Leerstand entzogen.
Ggf. wäre dies auch mit einem Genossenschaftsmodell zu erreichen. Damit bleibt gesichert, dass dieses neue Wohngebiet ausschließlich für die Lindauer*innen reserviert bleibt. Dies hat weit mehr als nur psychologische Vorteile. So kann gesichtert bleiben, dass die Insel dauerthaft bewohnt und belebt wird. So lassen sich auch die Einzelhandelsstrukturen für den täglichen Bedarf auf der Insel halten.
Die zweite Grundlage ist die Umsetzung nach Bedarf. Hierfür hat unsere Stadt alle Zeit der Welt. Der Aufschrei von wegen „600 Wohnungen“ ist berechtigt, wenn dies in den nächsten 10 Jahren gebaut würde. Aber der Entwurf lässt sich sehr gut in kleinen Schritten umsetzen. Ich sehe im städtebaulichen Entwurf eine Zielvorgabe für die nächsten zwei Generationen, also 40-50 Jahre.

Für die Bahnflächen sind Instrumente, wie die von der Bunte Liste beantragte Zweckentfremdungssatzung, hilfreich um den Auswüchsen der Wohnungswirtschaft Einhalt zu gebieten. Positiv am Siegerentwurf ist die Grünläche hinter der Eilguthalle. Diese war bei vielen anderen Entwürfen teilweise bebaut.

Weiteres hat der prämierte Entwurf kein neues Bahnhofsgebäude vorgesehen und den riesigen Bahnhofplatz, der durch die unsinnig starke Gleisverkürzung entstehen soll, mit einem Fahrradparkhaus verkleinert.

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