Hintere Insel soll kein Zweitwohnungsghetto werden

GWG will sämtliche Wohnbauflächen kaufen, überplanen und bebauen

Knapp dreißig Interessierte folgten am Sonntagabend der Einladung der Bunten Liste zur Diskussion über den anstehenden Wettbewerb zur Gartenschau sowie der künftigen Bebauung auf der Hinteren Insel. Karlheinz Brombeis stellte noch einmal die Ergebnisse des Workshops des Fördervereins vor: Neben einer Bebauung müsse ausreichend Freifläche bleiben für einen multifunktionellen Bürgerpark und eine sogenannte Freakoutzone für Jugendliche. Da soll es auch mal etwas lauter werden dürfen. Das Wohnen sollte sich an den Bedürfnissen junger Familien und älterer Menschen orientieren. Er zeigte sich skeptisch, ob die Stadt künftig den Vermarktungsinteressen wird widerstehen können. Erich Jörg vom Bund Naturschutz mahnte vor einer massiven Bebauung: Die Schachener Bucht sei schließlich ein internationales Vogelschutzgebiet. Christian Herrling von der Stadtplanung kann sich hier eine dichte, differenzierte Bebauung in den Höhenverhältnissen der Altstadt vorstellen mit großen Grünflächen für Natur und Mensch. Eine Bürgerbeteiligung ist für den 17. März geplant. Es sei auch für die Verwaltung sehr hilfreich, wenn die Bürgerschaft dort ihre Ideen einbringen. Alexander Mayer von der GWG ließ seine Bereitschaft übermitteln, sämtliche frei werdenden Wohnbauflächen zu erwerben und zu überplanen. Dies wurde allgemein begrüßt, denn so habe die Stadt die Entwicklung in der Hand und könne verhindern, dass auf der Hinteren Insel ein Ferien- und Zweitwohnungsghetto entsteht. Deshalb sollte der Stadtrat bis Ende April über die Grünflächen und den Vorschlag der GWG abstimmen, damit diese Punkte in den Ausschreibungstext des Wettbewerbs einfließen.

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Ein bunter Mix von Wohnformen denkbar

Ein besonderes nachhaltiges „Leuchtturmmodell“, wie etwa das Quartier Vauban in Freiburg, familienfreundliche Modelle für Baugemeinschaften und Baugenossenschaften, neue Wohnformen für ältere Menschen: Vieles sei denkbar für die Entwicklung der Hinteren Insel. Dies entscheide sich aber noch nicht bei der Ausschreibung des Wettbewerbs, sondern durch die Teilnahme der entsprechenden Architekturbüros. Stadtgärtner Meinrad Gfall freute es, dass mit der Planung der Gartenschau erstmalig mit der Entwicklung der Grünflächen begonnen wird und die Bebauung sich später dazu fügen soll. Er sei überzeugt, dass Lindau auch nach der Gartenschau sehr davon profitieren werde, ebenso die Festlandstadtteile. Stadtheimatpflegerin Marigret Brass-Kästl erinnerte daran, dass die Hintere Insel seit Jahrhunderten der Gewinnung von Ressourcen für die Inselbewohner diene, sei es durch Weinbau oder Viehhaltung. Diese Tradition gelte es zu bewahren – die Ressourcen von heute sind der Freizeitwert, Erholungsmöglichkeiten oder soziale Wohnformen.In diesem Sinne wurde der Erhalt eines mindestens 50 Meter breiten Uferstreifens als Badezone mit mehreren Seezugängen und Liegewiesen gefordert. Die Hintere Insel sei für viele Lindauer und keineswegs nur für die Insulaner ein Ort, wo man in Ruhe den Sonnenuntergang anschaue und den Tag ausklingen lasse. Dies werde man sich nicht weg nehmen lassen.

Ulrike Lorenz-Meyer

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