Zur Schliessung des Medienportals „linksunten.indymedia.org“

Zur Schliessung von „linksunten.indymedia.org“ veröffentlichen wir einen Leserbrief von Uli Epple an die Schwäbische Zeitung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich bin einigermaßen entsetzt über diesen unglaublichen Akt der Zensur, einen Monat vor der Bundestagswahl. Sind wir hier in der Türkei? Indymedia ist eine offene Nachrichtenplattform mit Dutzenden von Seiten weltweit, die nun von Deutschland aus nicht mehr erreichbar sein soll. Auf linksunten.indymedia.org habe ich in den letzten Jahren Tausende von interessanten Artikeln gelesen, vom Reisebericht bis zur politischen Analyse, zumeist ehrenamtlich verfasst von hunderten oder tausenden bekannten oder unbekannten Netz-JournalistInnen, die nun mit einem Schlag verschwunden sind. Viele kleine, lokale Initiativen konnten dort von ihren Aktionen und Projekten berichten. Von vielen Ereignissen hätte ich ohne Indymedia nie gehört, zu anderen fand ich bedenkenswerte andere Sichtweisen als in den Massenmedien (vor allem, wenn letztere bloß unkritisch Polizeimeldungen weitergaben). Fake-News hatten es dort schwer: Dank der Kommentarfunktion, wo auch Links und Bilder hochgeladen werden konnten, wurden Falschmeldungen meist schnell enttarnt und von der (ansonsten recht zurückhaltenden) Moderation gelöscht. Tatsächlich fand man dort immer wieder auch Bekennerschreiben. Die von Herrn De Maizière behaupteten „Anleitungen zum Bau von Molotowcocktails“ sind mir allerdings trotz intensiver Lektüre der Seite nie begegnet. Und genau deshalb, weil ein Minister einfach mal solche Behauptungen in die Welt setzen kann, brauchen wir eine kritische Öffentlichkeit, wie sie auf Indymedia bis gestern noch existiert hat.

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